Kunstfrühling"-Preisträger Wolfgang Mennel
Kunstpfad-Serie (9)
von Dr. Heinrich Lindenmayr
Der Preis des Kunstvereins Bad Wörishofen beim 8. Kunstfrühling 2005 ging an den Krumbacher Künstler Wolfgang Mennel. Das mit dem Preis ausgezeichnete Werk wird auf dem Kunstpfad Krumbach zu sehen sein. Es zeigt einen noch "neuen" Wolfgang Mennel, der die Dimensionen seines bisherigen künstlerischen Schaffens gleich mehrfach sprengt.
Als Maler, Fotograf, Illustrator und Autor ist der Künstler Wolfgang Mennel bislang in Erscheinung getreten und bekannt geworden. Seine künstlerische Weiterentwicklung sperre sich aber gegen die Etikette "Maler" oder "Fotograf", erklärt er. Bilder, die isoliert an der Wand hängen und als Einzelgegenstände betrachtet und beurteilt würden, irritierten ihn schon lange. Sie entsprächen seinem künstlerischen Anspruch nicht mehr. Ein Kunstwerk sollte nicht nur ein Ding im Raum sein, sondern den Raum verändern, in dem es hänge. In gewissem Maße habe das auch schon für seine bisherigen Arbeiten gegolten. Das Bild, für das er 2004 den Kunstpreis Krumbach zugesprochen bekommen habe und das derzeit im Rathaus hänge, verändere auch den Raum. Aber er wolle diese "Ausstrahlung" seiner Objekte weiter verstärken, indem er ins Freie gehe, größere Objekte schaffe, andere Materialien verwende.
Das Gestell
Das in Bad Wörishofen ausgestellte Werk besteht aus einem Gestell aus zwei Stahl-Senkrechten, in das Acryl-Glasscheiben eingespannt sind. Das Gestell und die Scheiben halten sich wechselseitig und sind damit aufeinander "angewiesen". Auf das Glas hat Mennel mehrere Schichten des Fotos einer Birke gesetzt. Von vorne betrachtet, sieht man nur einen Baum. Von der Seite angeschaut, erschließen sich dem Betrachter auch die sich überlagernden Foto-Schichten. Insgesamt entsteht dadurch ein Gebilde, das sich je nach Standort anders zeigt und überdies durch seine "Konstruktion" auf eine Vielschichtigkeit der Aussage hin angelegt ist.
Die bloße Fotografie, beispielsweise dieses Bild von der Birke, sei künstlerisch uninteressant, erklärt Mennel zu seinem Werk. Ohnehin gäbe es die bloße Fotografie gar nicht, das sei eine Illusion. Jede Fotografie sei per se eine Inszenierung, weil sie unausweichlich die Sichtweise des Fotografen ins Spiel bringe. Gleichwohl würde die Fotografie ständig als Medium der naturgetreuen Wiedergabe, ja sogar der Dokumentation verstanden und benutzt. Dieser Widerspruch sei künstlerisch wertvoll und ihn zu thematisieren führe sofort über die bloße Abbildung hinaus. Kunst müsse mehr als eine Abbildung sein, denn sonst bliebe sie defizitär: "Der natürliche Gegenstand ist ohnehin viel schöner und echter als die Abbildung."
Bewusste Absetzung
Die bewusste Absetzung von der Abbildung, die schon in der Antike von Platon heftig kritisiert wurde, gehört zu Mennels Kunstauffassung. Er sei in seinem Kunstverständnis sehr streng, sagt Mennel von sich. Und weil sich auf dem Kunstpfad Künstler treffen würden, zwischen deren Kunstauffassung, Stil und Arbeitsweise Welten lägen, dürfte der Kunstpfad stark anregend und belebend wirken. Bezüglich der Ausstattung des öffentlichen Raumes mit Kunstwerken sei Krumbach eine "Diaspora" und brauche einen starken Impuls, um sich für die Kunst zu öffnen.
Vielseitig
Der vielseitige Künstler ist für unterschiedliche Arbeiten mit Preisen ausgezeichnet worden: mit dem Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin, mit dem Kunstpreis der Stadt Krumbach, mit dem Donauwörther Kunstpreis, mit dem Preis des Kunstvereins Bad Wörishofen.
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