Skulpturen aus der Bewegung

Kunstpfad-Serie (4):
Skulptografie" und "Papiertheater" Die aus Memmingen stammende Globetrotterin Agnes Keil verbindet Plastik und Tanz
Von Dr. Heinrich Lindenmayr

Kunstpfad-Teilnehmerin Agnes Keil ist keine Künstlerin, die zurückgezogen im Atelier lebt und arbeitet. Tanz, Theater und Bildhauerei hat sie gelernt und diese Künste an vielen Orten und in vielen Ländern praktiziert. Die vielseitige Künstlerin ist fasziniert von den Grenzbereichen zwischen der Bewegung, dem menschlichen Ausdruck und der Plastik.
"Skulptografie" und "Papiertheater" sind Wörter, die gemeinhin nicht vorkommen. Für Agnes Keil bedeuten diese Wörter viel. "Skulptografien" nennt sie ihre filigranen Gebilde, die im Zwischenbereich von Zeichnung und Plastik angesiedelt sind. Sie hat sich dadurch eine Möglichkeit geschaffen, dreidimensional zu arbeiten und dennoch zu zeichnen. Diese Technik lässt nicht nur der Künstlerin Freiräume, die sonst oft vom Material her nicht gegeben sind.
Diese Technik zwingt den Betrachter, das spärlich Gezeigte selbst zu ergänzen, die eigene Fantasie und Kreativität ins Spiel zu bringen. "Ich habe immer schon gern damit experimentiert, wie viel ich weglassen kann, damit eine Darstellung von etwas noch als solche wahrgenommen werden kann", sagt Agnes Keil. Ganz von der figürlichen Darstellung hat sie sich noch nie verabschiedet.
Es sei weniger die Spannung zwischen dem Figürlichen und dem Abstrakten, die sie interessiere. Mehr herausgefordert fühle sie sich durch den Gegensatz zwischen der statischen Plastik und der Bewegung der Figuren, die dargestellt werden sollen. Wenn sie eine Skulptur schaffe, dann geschehe das aus dem Tänzerischen und aus der eigenen Körpererfahrung heraus. In gleicher Weise im Zwischenbereich angesiedelt ist das "Papiertheater", in dem die Besucher vor allem auch bildnerische Erfahrungen machen sollen.
Konsequenterweise will Agens Keil im Rahmen der Krumbacher Kunstpfad-Aktion einen "Tanztag" anbieten, an dem sie die Teilnehmer tänzerisch an die Skulptur heranführen möchte. Selbstverständlich will sie Skulptografien auf den Kunstpfad stellen, am besten auf Balkone oder Dächer, damit sie sich gegen den freien Himmel abheben. Da Agnes Keil das Material ganz unterschiedlich einsetzt, als Miniaturplastik, als filigrane Skulptografie oder auch als massive Großplastik, will sie diese Spannung auf dem Kunstpfad auch durch eine wuchtige Metallskulptur ausreizen.
Kunst erlebt und praktiziert Agnes Keil auf so vielfältige Weise, dass ihr ein einheitlicher Kunstbegriff als schwierig bis unmöglich erscheint. Sie wisse nur, dass sie immer schon Kunst gemacht habe, seit sie denken könne, wiewohl ihr das als Tochter einer Beamtenfamilie nicht in die Wiege gelegt worden sei.
Wollte man der Weltenbummlerin Agnes Keil einen Anreiz zum Verweilen bieten? Drei Jahre Atelierförderung sprach ihr in diesem Jahr das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst zu. Etwas ruhiger ist sie geworden, seit sie 1996 ein Werkstattatelier in Memmingen bezog. Davor war sie seit dem Abschluss ihrer Ausbildungen ständig unterwegs. Die Jahre 1992 bis 1995 erklärt sie zu ihren künstlerischen Wanderjahren.
Damals verdiente sie sich mit Kunstprojekten aller Art, mit Performances und Choreografien, mit Restaurationsarbeiten in Kirchen und Klöstern in ganz Deutschland ihren Lebensunterhalt.
In den Jahren 1994 und 1995 bereiste sie die ganze Welt. Danach war ihr "Papiertheater" der Grund für viele Reisen, unter anderem bis nach Hong Kong. Früchte ihrer Werkstattarbeit sind der Münchner Designpreis 1998 und der Kulturpreis der Stadt Memmingen 2003.

29.3.2005

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