Ein roter Schuh in der Wurzel

Ausstellung "Spuren aus Natur und Zivilisation" eröffnet
von Dr. Heinrich Lindenmayr
Was in nur fünf Arbeitstagen entstand ist ganz erstaunlich. Viel Lob spendeten die Künstler Alfred Hennings und Sigurd Rakel der Ausstellung "Spuren aus Natur und Zivilisation" im Mittelschwäbischen Heimatmuseum, die den Beitrag der Fachakademie zum "Kunstpfad Krumbach" darstellt. Die restliche Zeit des 14-tägigen Projekts sei der Einführung in die Museumspädagogik und Museumspraxis gewidmet gewesen, erklärte Projektkoordinatorin Dr. Judith Winkler-Koch bei der Vernissage.
Die acht Objekte der Ausstellung zeigen auf kunstvolle und ausdrucksstarke Weise das Wechselverhältnis von Natur und Zivilisation. Die Objekte werfen bedeutungsschwere Schlaglichter auf das weitläufige Thema. Sigurd Rakel griff in seiner Werkeinführung das Objekt "Root 66" auf, das einen roten Schuh in einer großen Baumwurzel zeigt und den Trend zu einer alternativen Lebenseinstellung und Lebensführung thematisiert. Ein Stöckelschuh in der Natur, das sei eine Provokation, die er selbst schon erlebt habe, als er einer Damengruppe mit diesem untauglichen Schuhwerk auf einem Gletscher begegnet sei, sagte Rakel. Interessant an dem Objekt seien auch der Formenfluss von Wurzel und Schuh, schließlich hätten wir in der Natur das beste Vorbild für ein gelungenes Design. Ein Objekt dieser Art sei geradewegs dazu geschaffen, das Sehen zu lehren, das 98 Prozent der Bevölkerung durch zivilisatorische Verformung verlernt hätten.
Alfred Hennings lobte vor allem die raffinierte Darstellung des Tsunami und seiner Hintergründe und vielfältigen Bezüge. Das Objekt hat die Form einer gigantischen Woge, in die hinein die Elemente von Naturschönheit, Naturerlebnis und Naturzerstörung gepackt sind. Der Mensch thront zum einen auf einem Gewicht auf der Natur, zum anderen liegt er als Ertrunkener hilflos und klein auf dem Wasser. Lehrreich und witzig sind die Exponate der Ausstellung, die noch bis zum 21. August zu sehen ist.

26.07.2005