Freiheit liegt in der Form

Karl K. Maurer bringt Stahl zum Schweben
Letzter Teil unserer Kunstpfad-Serie
von Dr. H. Lindenmayr

Formschöne und auf den ersten Blick eher nüchterne geometrische Gebilde sind die Werke des in Günzach lebenden Künstlers Karl K Maurer. Zwei schlichte Bögen aus Stahl, die sich stützen, hat er auf den Kunstpfad Krumbach gestellt. Hinter der Einfachheit liegen ganz große Themen. Man müsse nicht, aber man könne die Deutung bis in die Metaphysik treiben, räumt der Künstler ein.

Wenn Karl K. Maurer, seit 1987 freischaffender Künstler, über seine Kunst spricht, kommt das Wort "Freiheit" häufig vor. Das mag überraschen bei einem Künstler, der es vor allem mit sehr schweren und oft auch schwer zu formenden Materialien zÜ tun hat.

Gerade gegen die Widerstände des Materials formuliert Maurer sein künstlerisches Credo:

"Die Freiheit muss sich spiegeln in der Form." N ur dort sei sie zu finden,' nicht im verwendeten Material.

Nicht so sehr das Ringen mit dem Material sei insofern das Entscheidende, sondern die innere Befreiung, die sich auf den Umgang mit dem Material übertrage. Immer wieder müsse sich der Künstler befreien, Konventionen und Klischees abschütteln. Er müsse sich förmlich leeren, denn nur was leer sei, könne sich wieder neu füllen, glaubt Maurer.

Die konkret-konstruktivistische Kunst ist Maurers Arbeitsfeld. Deshalb ist der erste Zugang zu seinen Werken einfach. Konkret sei, was man sehe. Was man sehe, könne etwas bedeuten, müsse es aber nicht, sagt Maurer.

Man könnte es also dabei belassen, dass es sich bei Maurers Werk, das im Park östlich der Berufsfachschule für Musik steht, einfach um zwei gleichmäßige Bögen handelt, die durch ihre Proportionen und elegante Form eine Freude für das Auge des Betrachters sind. Der Stahl scheint hier eine Leichtigkeit zu gewinnen, die er sonst nicht hat.

Die Bögen stützen und ergänzen sich in idealer Weise. In der Doppelform werde Polarität sichtbar, meint Maurer, zudem die Teilbarkeit des Lebens, das harmonische Zusammenspiel und die geglückte Balance. Insofern sagt das Werk viel aus über die Bedingungen des Zusammenlebens in Natur und Gesellschaft. Geht man noch einen Schritt weiter, kommt man zu den Grundlagen von Physik oder Biologie und letztlich ilur Metaphysik. Das Werk lasse sich durchaus deuten als eine Verkörperung der Grundprinzipien, die hinter allen Dingen stünden, erklärt der Künstler.

Insofern wäre Karl K. Maurer der Enkel einer bis in die Antike zurückreichenden Denktradition. Platon hatte die reinen Formen der Geometrie als "Ideen" bestimmt, als Urformen, nach denen unsere Wirklichkeit geschaffen sei. Nirgendwo zeige sich das Verhältnis zwischen der Urform und ihren Abbildungen in unserer Lebenswelt deutlicher als in der Geometrie.

Wie raffiniert und vielgestaltig die Begegnung von zwei Formen sein kann, zeigen Maurers. Beiträge zur Sonderausstellung Kunstpfad im Mittelschwäbischen Heimatmuseum. Die drei dort präsentierten kleineren Plastiken zeugen von Maurers Kunst, sein scheinbar schlichtes Thema zu variieren und hinter vielen Gestalten eine Grundidee aufscheinen zu lassen. Für sein Werk erhielt Maurer, dessen Plastiken auch in Köln oder Kempten stehen, 1998 den Thomas-DachserPreis.

Zwei Formen und ihr Verhältnis zueinander, dieses Thema fasziniert Karl K. Maurer. Unser Bild zeigt den Künstler vor seinem Beitrag zur Sonderausstellung "Kunstpfad" im Mittelschwäbischen Heimatmuseum.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

21.06.2005