Zwischen bunten Nanas
und einer Meerjungfrau

Skulpturenkurs im Krumbacher Heimatmuseum
Text und Bilder von Daniela Ehmann

Wer den Geruch von frischer Farbe liebt, atmet erst einmal tief ein. Die knalligen, grellen Farben, mit denen mehrere Frauen große Skulpturen bemalen, sieht man nicht nur, man riecht sie auch. Die Szenerie wird von sanften Gitarrenklängen aus der Steckdose untermalt, nur manchmal unterbrochen vom Brummen eines Föns.

Es ist der letzte Tag eines Skulpturenkurses unter der Leitung von Kunsttherapeutin Jutta Sprenger (49) im Mittelschwäbischen Heimatmuseum in Krumbach, der im Rahmen des Krumbacher Kunstpfades stattfindet. Die Teilnehmerinnen nehmen die letzten Arbeiten an ihren Figuren vor. Mit bunten Farben bemalen sie ihre Werke. "Formen ohne Normen", das Motto des Kurses zeigt sich in den verschiedenen Arbeiten. Auch wenn sie alle aus Draht, Papier und Pappe menschliche Gestalten geformt haben, zeigen die Skulpturen eine beeindruckende Vielfalt.

Auf den Tischen stehen, liegen und sitzen Nanas, Meerjungfrauen und ganz abstrakte Figuren. Manche sind blau, andere grün oder rot. Andrea Rodriguez (37) bemalt ihre Figur, die mit den Symbolen Quadrat, Kreis und Pyramide ausgestattet ist in einem strahlenden Gelb. Das passe zu ihrem Haus. Das Quadrat, das ihre Figur in einer Hand hält, wolle sie blau bemalen. Das symbolisiere das Wasser, das den Arm hinunterläuft. Die Kugel werde gelb, stehe für die Sonne, die den Körper bestrahle. Die Pyramide werde sie rot anmalen, als Symbol für das Feuer. Den Werdegang ihrer Figur beschreibt sie, als sehr spontan. "Ich habe den Draht in die Hand genommen und dann ist es einfach passiert." Neben ihr bemalt Brigitte Pöschl (49) den Schwanz ihrer Meerjungfrau mit den Farben gelb, grün und blau. "Ich wollte schon immer eine Meerjungfrau haben", begründet sie ihre Entscheidung und betont, das sie den Kurs "sehr genießt".

Ein Fön unterbricht die Musik. Susanne Mayer (45) föhnt die Farbe an ihrer Figur trocken. "Es ist immer toll, mit den Händen was zu machen", erklärt sie ihre Freude am Kurs. Einen festen Platz für ihre Skulptur hat sie noch nicht. Nur dass sie nicht ins Freie kommt weiß sie. "Sie wird mehrere Plätze zeitweise besuchen. "Eine genaue Verwendung für ihre Nana hat dagegen Brigitte Seidemann (54). Mit Badekappe und Schwimmreif ausgerüstet wird sie den heimischen Teich zieren: Sie sei ein "arger Kopfmensch". Deshalb genieße sie den Kurs sehr. "Das ist wie Urlaub im Kopf."

Elisabeth Alt (44) bemalt die Hände ihrer Figur, während sie erklärt, was sie am Kurs so fasziniert. "Man fängt einfach an und bei jedem wird es etwas anderes." Bei ihr ist es eine sitzende Frau ganz in grün und mit Blättern bedruckt geworden.
Mit blauer Haut dagegen besticht die Skulptur von Karin Faber (40). Hautfarbe sei ihr zu langweilig gewesen und rot zu kräftig. Blau finde sie einfach schön. "Für mich ist der Sommer einfach auch blau." Am Anfang des Kurses habe sie nicht gedacht, dass ihre Skulptur "so üppig" werde. Jetzt mache es aber Spaß mit dieser Größe zu arbeiten.

Etwas traurig
Einen etwas traurigen Eindruck macht die Skulptur von Priska Roßmann (35). Den Kopf auf eine Hand gestützt sitzt sie auf dem Tisch. Im Gegensatz dazu erscheinen das Grün, Gelb und Orange, in dem sie angemalt wird. Die Farben sollten einen Kontrast darstellen und zeigen, dass es im Inneren des Menschen oft anders aussehe, als man nach außen zeige.
Ganz anders ist die Skulptur von Gerdi Studnitz (52). Auch wenn die Figur zunächst nicht wie ein Mensch wirkt, scheint sie das bei näherem Hinsehen zu sein. Sie habe keine Nana gewollt und auch keine zu große Skulptur, erzählt sie, während sie mit goldener Farbe malt. "Ich finde es faszinierend, was man mit seinen eigenen Händen machen kann." Im Gegensatz zu den meisten anderen Figuren steht auch die vonJutta Rapierski (46). Einen Sockel mit einem Kreis darauf hat sie gemacht. Auf dem Kreis ist eine Kugel. "Mir lag mehr was Geometrisches", begründet sie die Entscheidung für die Form ihrer Skulptur. Und: "Das hat sich aus geometrischen Formen ergeben." Ganz ohne Farbe kommt die Skulptur von Ellen Neuschel (42) aus. Aus einem Sockel "wächst" eine Frau, deren Oberkörper nur aus Draht besteht. Sie habe sich etwas zum Thema Verwandlung vorgestellt. Im Sockel sei die Frau fest und gebunden, werde nach oben aber immer freier und komme immer mehr in Bewegung.

Die Unterschiedlichkeit der Figuren ergibt sich auch daraus, dass es Kursleiterin Jutta Sprenger wichtig war, keine Zielvorgabe zu geben. Auch deswegen hat sie den Teilnehmerinnen am Anfang Informationen, Beispiele und Inspiration angeboten, dann aber nur noch unterstützend eingebracht. "Der Hauptprozess passiert zwischen dem Schaffenden und dem Material."

Nicht nur die Farben, auch die Formen unterscheiden sich beim Skulpturenkurs im Mittelschwäbischen Heimatmuseum. Fazit der Teilnehmerinnen: Es hat großen Spaß gemacht.

Im Inneren sehe es oft anders aus, als man nach außen zeige, begründet Priska Roßmann ihre fröhlich bunte, traurig wirkende Skulptur.

Eine Nana mit Badekappe für ihren Teich machte Brigitte Seidenmann.

Blau, gelb, grün. Beim Skulpturenkurs leuchten die Figuren in den unterschiedlichsten Farben um die Wette.

08.06.2005