Die Vandalen

Von Manfred Gittel

Die Vandalen waren eine germanische Völkergruppe, deren Herkunft und Abstammung nicht restlos geklärt ist. Von ihnen abgeleitet ist der Begriff Vandalismus nachdem die Vandalen im Jahre 455 den weströmischen Kaiser Petronius Maximus besiegt hatten, in Rom einmarschiert waren und die Stadt geplündert hatten. Der aus dieser Begebenheit hergeleitete Begriff Vandalismus als Bezeichnung für "fanatisches Zerstören um seiner selbst willen" ist allerdings historisch sowie sachlich falsch. Die Vandalen plünderten die Stadt Rom für die damalige Zeit sehr gesittet, äußerst gezielt und ohne blinde Zerstörungswut. Es war eine bis dato nie gekannte, sehr zivilisierte Art, anderen etwas zu nehmen. Und genau das war die besondere Schmach der einstmals stolzen Römer, nämlich nicht mehr die Macht zu besitzen. Insbesondere deshalb blieb dieses Ereignis in der kollektiven Erinnerung der westlichen Welt so verwurzelt. "Vandalismus" ist damit der falsche Begriff für "blinde Zerstörungswut", weil die Vandalen weder zerstörten, noch eine sinnlose Tätigkeit unterstellt werden kann.

Vandalen sind verstärkt im Jahre 2005 auch in unseren Breitengraden unterwegs. Ihre Herkunft ist zunächst ebenfalls noch unbekannt. Allerdings unterscheiden sie sich zu den geschichtsbekannten Vandalen durch die Tatsache, dass es ihnen tatsächlich um "blinde Zerstörungswut" geht. Zuletzt bewiesen sie dies auf dem Kunstpfad in Krumbach. In die Geschichte werden sie mit dieser sinn- und geistlosen Tätigkeit nicht eingehen, wohl aber für kurzzeitiges Kopfschütteln sorgen. Mehr Bedeutung beizumessen wäre übertrieben. Und sich deswegen ins Bockshorn jagen zu lassen auch. Übrigens, das ist auch so ein Begriff und der bedeutet: sich nicht einschüchtern, nicht entmutigen, nicht demoralisieren, sich nicht den Mut nehmen lassen.

30.05.2005