Serie von Zerstörungen nimmt kein Ende Polizei sieht jedoch keinen Zusammenhang Stadt Burgau setzt Belohnung aus
Von unserem Redaktionsmitglied Heike Vanselow
Burgau
Die Serie der Kunstwerkzerstörungen im Landkreis geht weiter: Erst am vergangenen Freitag hatte die Stadt Burgau das Kunstwerk "Kommunikation" von Rolf Eichelmann feierlich enthüllt (GZ berichtete), am Wochenende beschmierten und zerstörten Unbekannte Teile der Edelstahlrohre und Figuren. Nur wenige Tage zuvor waren Bilder des Künstlers Konni Bigelmayr im Museumshof in Günzburg aufgeschlitzt worden. Ende Mai hatten vier Jugendliche eine Skulptur von Terence Carr auf dem Krumbacher Kunstpfad in die Kammel geworfen. Die Polizei vermutet jedoch keinen Zusammenhang zwischen den Fällen.
Feierlich hatte Bürgermeister Konrad Barm am Freitag verkündet: "Es ist das erste bedeutendere Kunstwerk im öffentlichen Raum, seit dem Marienbrunnen am Kirchplatz im Jahre 1732." Rund 20 000 Euro hat sich die Stadt die aus gefederten Edelstahlrohren und frostfester Keramik bestehende Komposition, die miteinander kommunizierende Kinder darstellt, kosten lassen. Es soll ein "Hingucker" in Burgau werden.
Doch das komplette Werk von Rolf Eichelmann stand keine 24 Stunden lang, da machten Mitarbeiter des Bauamts die schlimme Entdeckung: In der Nacht zum Samstag hatten sich Unbekannte an dem Objekt zu schaffen gemacht. Ein Anwohner will angeblich Jugendliche gehört haben, die in der Nacht Krach machten. Die Spuren sind deutlich zu sehen: Rundherum liegen Scherben von Bierflaschen verstreut, die Edelstahlrohre sind mit dunklen Eddingstiften beschmiert und was am gravierendsten ist einer Figur fehlt ein Arm. Die Arbeiter fanden ihn mitten in den Beeten, verwahrten ihn und gaben ihn gestern Morgen im Stadtbauamt ab.
Als Künstler Rolf Eichelmann per Telefon von der Nachricht erfuhr, reagierte er entsetzt: "Das ist ein Armutszeugnis. Die Menschen sind nicht in der Lage, gegenüber Kunst tolerant zu sein. Ich kann doch nicht alles zerstören, was mir nicht gefällt", schimpfte er und erstattete umgehend Strafanzeige gegen Unbekannt. Voller Wehmut betrachtete er gestern die Spuren der Verwüstung, hielt traurig den zerbrochenen Keramikarm in der Hand.
"Das tut weh. Man hängt an den Dingen. Ich habe gar keine Lust mehr, heute noch zu arbeiten", sagte er enttäuscht. Monatelang habe er an dem Werk gearbeitet, stets aufgepasst, das filigrane Gebilde nicht zu zerbrechen, "und dann schlagen ein paar Idioten es innerhalb von Minuten zusammen".
Alles stehen und liegen lassen
Bürgermeister Konrad Barm ließ gestern Vormittag alles stehen und liegen, eilte in die Höhlstraße und machte dort seiner Empörung Luft: "Das sind primitive Geister, wer so sinnlos seine Gewalt an schönen Dingen auslässt." Kritiker hatten zwar im Vorfeld davor gewarnt, dass ein so feingliedriges Objekt leicht zerstört werden könnte. Doch das wollten weder Eichelmann noch Barm gelten lassen. "Sicherlich hätte ich das Ganze auch stabiler aus Bronze machen können", sagte der Vater des Kunstwerks, verwies aber auf die viel höheren Kosten. "Wir könnten es auch ins Rathaus stellen, aber was haben wir davon? Das zeigt nur, dass wir klein beigeben", so Eichelmann. Barm fügte hinzu: "Man kann natürlich alles kaputtmachen. Aber dann wäre die logische Schlussfolgerung, dass man sich überhaupt nicht mehr in Sachen Kunst engagiert."
Während Eichelmann das Kunstwerk auf jeden Fall reparieren lassen will, kündigte Barm umgehend eine Videoüberwachung an und rief eine Belohnung von 500 Euro für den aus, der konkrete Hinweise zu den Tätern geben kann. "Hoffentlich finden Sie die Leute bald", wandte sich Rolf Eichelmann direkt an den Burgauer Polizeichef Hans Wiedersatz. Zusammen mit zwei weiteren Polizisten nahm er den "Tatort" genau unter die Lupe. "Ich gehe nicht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen den Kunstzerstörungen in Krumbach, Günzburg und Burgau gibt", so Wiedersatz.
In der vergangenen Woche waren im Rahmen einer Ausstellung im Museumshof in Günzburg alle großformatigen Bilder des Burgauer Künstlers Konni Bigelmayr mit langen Schnitten und Triangeln aufgeschlitzt worden. "Da hat ganz offensichtlich einem die Kunst missfallen. Aber hier in Burgau ist das was anderes", vermutet der Polizeichef. "Für mich sieht das so aus, als hätte jemand die Figuren zum Schwingen gebracht, die sind aneinander gestoßen und ein Stück ist abgebrochen." Wiedersatz versicherte, dass die Polizeiinspektion ihr Möglichstes zur Aufklärung des Kunstfrevels beitragen wird.
Hinweise zur Zerstörung des Kunstwerks in Burgau nimmt die PI Burgau, Telefon (08222) 9 69 00, entgegen. Die Stadt hat außerdem eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt.
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