Sogar die Enten sind neugierig

Von Peter Bauer

Die Kunstwerke an den Wänden wechseln. Doch der Kreis der Betrachter, der sich zu diversen Vernissagen einfindet, bleibt nicht selten derselbe. Auch die Gespräche, die dann entstehen, scheinen bisweilen in eine schablonenhafte Gleichförmigkeit einzumünden. Die so genannte Kunst-Szene bleibt in solchen Fällen gewissermaßen unter sich. Angesichts dieses mitunter zu beobachtenden Phänomens haben mutige Künstler immer wieder darüber nachgedacht, wie es gelingen könnte, dieses "Unter-sich-bleiben" zu durchbrechen und mit der Kunst Menschen zu erreichen, die nie selbst zur Kunst gehen würden, ja sie vielleicht sogar ablehnen. Der Krumbacher Kunstpfad ist ein solches mutiges Experiment. Durch zahlreiche an den verschiedensten Orten aufgestellte Skulpturen wird eine ganze Stadt gewissermaßen zum Kunstraum. In Krumbach kann man Kunst jetzt in einem ganz wahren Wortsinn ergehen und erfahren. Doch kann es passieren, dass die meisten Menschen an der Kunst einfach vorbei gehen? Zunächst gab es auch Befürchtungen, dass es ein einsamer Kunstpfad werden könne. Und das Wetter versuchte zuletzt alles, zu dieser Einsamkeit beizutragen. Grauer Himmel, immer wieder Regen ­ wer sollte sich da schon Zeit für die Kunst nehmen?

Es kam anders. Immer wieder blieben Menschen vor den Kunstwerken stehen. Kommentare wie "Es ist was los in Krumbach" waren häufig zu hören. Eine ganze Reihe von Müttern und Vätern gingen mit ihren Kindern auf den Kunstpfad und einige Kinder hatten auch ihren Spaß, an den Skulpturen herumzuturnen. An Stellen, an denen man dies nicht vermuten würde ("was ist denn da im Wasser?)", wurde die Kunst entdeckt. Und selbst so manche Ente schien beim Vorbeischwimmen gehörig überrascht und legte einen längeren neugierigen Erkundungshalt ein. Die Skulptur und die Enten: Es ist eine amüsante Begegnung, die ein weiteres faszinierendes Spannungsfeld andeutet. Gerade in der Natur, die oft durch sich selbst zur Kunst wird, kann die Kunst des Menschen auf eine ungewöhnliche Weise wachsen. Und allein durch den Wechsel des Wetters und der Farben des Himmels schafft die Natur der Kunst fast sekündlich eine neue Bühne, eine Art neues Museum. Bereits vor der heutigen offiziellen Eröffnung, die um 14 Uhr im Bereich des Mittelschwäbischen Heimatmuseums beginnt, ist der Kunstpfad für viele ein Erlebnis geworden. Schon jetzt hat die Kunst viele Menschen erreicht, die sie sonst nie erreichen würde. Sie ließen sich auch vom Regen nicht abhalten, auf den Kunstpfad zu gehen. Mal sehen, wenn erst so richtig die Sonne kommt.

07.05.2005